In was für einer Gesellschaft wollen wir leben? Was können wir dafür tun?

Hier präsentieren Menschen der Caritas Meinungen, Einstellungen und Forderungen für eine soziale, gerechte und mitmenschliche Gesellschaft.

Statement zur Armut

Tafeln und Armut

Würde des Menschen in den Blick nehmen

Heribert RhodenDiCV Trier/Thewalt

Tafeln tragen eine Widersprüchlichkeit in sich: Auf der einen Seite steht der barmherzige Gedanke des Helfens, auf der anderen die Kritik an gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, die Armut oft verfestigen. Und sie provozieren, weil sie sich schleichend als eine selbstverständliche Form der Versorgung armer Menschen etabliert haben. Das den Tafeln zugrunde liegende Armutsverständnis ist an absoluter Armut orientiert: "Es muss in Deutschland niemand verhungern." Dafür gibt es Lebensmittelpakete. Was aber ist mit Befähigung, Bildung und sozialer Teilhabe? Dies können wir als Wohlfahrtsverband nicht akzeptieren. Soziale Sicherungssysteme müssen armutsfest sein und die Würde des Menschen im Blick haben.

Die Caritas ist sich dieser Widersprüchlichkeit als Träger und Initiator von Tafelprojekten einerseits und sozialpolitischer Akteur andererseits wohl bewusst. So ist das 2007 ins Leben gerufene Konzept "Tafel plus" ein Ergebnis dieser kritischen Auseinandersetzung. Das "Plus" besteht darin, durch beratende, begleitende und befähigende Angebote einer dauerhaften Abhängigkeit von Lebensmittelspenden entgegen zu wirken. Durch individuelle Hilfeangebote soll verhindert werden, dass sich Armut im Einzelfall verfestigt.

In die Zukunft gedacht, braucht es aber noch mehr, nämlich eine Entwicklungsstrategie, deren Ziel es sein sollte, Menschen aus der Abhängigkeit von Tafeln herauszubringen. Dezentrale, im Sozialraum der Menschen angesiedelte Hilfe- und Unterstützungsangebote könnten eine Lösung sein. Notwendig ist zudem eine seitens der Caritas schon lange geforderte, dringend gebotene Erhöhung der Regelsätze der sozialen Sicherung. Drei bis fünf Euro mehr bedeuten hier keine Verbesserung der Lebensumstände. Notwendig zur Armutsbekämpfung ist politische Entschlossenheit. Gut, dass die Diskussion hierzu begonnen hat.

Heribert Rhoden ist Referent für Armut und Existenzsicherung im Diözesan-Caritasverband Trier.

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