Beim Fachtag, zu dem die Caritas im Saarland Vertreterinnen und Vertreter aus Schule, Politik, Elternschaft und Jugendhilfe unter dem Motto „Mehr als Betreuung: ‚Gutes‘ Aufwachsen in multiprofessioneller Verantwortung im Ganztag“ eingeladen hatte, setzte Dr. Pia Rother in Ihrem Vortrag bei der Fragestellung an, wie pädagogische Akteurinnen und Akteure in kooperativen Ganztagssettings Bildungsbenachteiligung wahrnehmen und welche Bedeutung ihre professionelle Ausrichtung für eine echte Kindorientierung habe.Foto: DiCV Trier
Mit dem Ganztagsförderungsgesetz (GaFöG) wird ab dem Schuljahr 2026/27 stufenweise ein bundesweiter Rechtsanspruch auf ganztägige Förderung für Kinder im Grundschulalter eingeführt. Im Saarland übernehmen die Freiwilligen Ganztagsschule (FGTS) mit rund 83 Prozent der Betreuungsplätze einen Hauptteil dieses neuen Rechtsanspruches. Eine verantwortungsvolle Aufgabe, geht es dabei doch um mehr als nur Betreuung, sondern um die Chance gute Entwicklungs- und Bildungschancen für alle Kinder zu schaffen. Bei der Frage nach dem "Wie" brachte der Fachtag wichtige Erkenntnisse. Er fand im Rahmen eines durch die GlücksSpirale geförderten Projekts zur Qualitätsentwicklung im Ganztag statt, zu dem die Caritas im Saarland Vertreterinnen und Vertreter aus Schule, Politik, Elternschaft und Jugendhilfe unter dem Motto "Mehr als Betreuung: ‚Gutes‘ Aufwachsen in multiprofessioneller Verantwortung im Ganztag" eingeladen hatte.
Im Mittelpunkt standen Fragen, wie multiprofessionelle Kooperation zwischen Schule und Jugendhilfe gelingen kann, welche Herausforderungen sich für das pädagogische Personal ergeben und wie ein besseres Zusammenspiel mit dem sozialen Umfeld umgesetzt werden kann.
Ganztag gelingt nur zusammen
Zu den Teilnehmenden und Mitwirkenden gehörten unter anderem Jessica Heide, Staatssekretärin im Ministerium für Bildung und Kultur, Patrick Jochum, Leiter des Landesjugendamtes, Katja Göbel, Leiterin des Katholischen Büros Saarland sowie der Geschäftsführer der Caritas im Saarland Bernward Hellmanns.
Die eigentlichen Hauptakteurinnen und -akteure des Ganztags - Schulleitungen und FGTS-Standortleitungen im katholischen Bereich an saarländischen Grundschulen - brachten ihre umfangreiche Praxiserfahrung aktiv in die Diskussion ein.
"Wir haben heute bewusst alle wichtigen Akteure zusammengebracht. Gerade im Saarland, wo jedes vierte Kind von Armut betroffen oder bedroht ist, sehen wir im qualitativ hochwertigen Ganztag eine zentrale Chance, Bildungsungleichheiten abzubauen und Chancengleichheit zu fördern. Hier liegen bislang deutlich unausgeschöpfte Potentiale.", so Hanna Dietrich, Geschäftsführerin der Caritas-Landesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendhilfe im Saarland. Die Saarländische Bildungs-Staatssekretärin Jessica Heide begrüßte die Herangehensweise: "Es ist absolut notwendig, dass die Akteure, also das multiprofessionelle Team vor Ort, sich als Team verstehen und gemeinsam Lebens- und Lernraum von Schülerinnen und Schülern entwickeln."
Dr. Pia Rother, Vertretungsprofessorin an der Hochschule RheinMain in Wiesbaden, setzte bei der Fragestellung an, wie pädagogische Akteurinnen und Akteure in kooperativen Ganztagssettings Bildungsbenachteiligung wahrnehmen und welche Bedeutung ihre professionelle Ausrichtung für eine echte Kindorientierung habe.
Multiprofessionalität im Ganztag biete große Chancen, benötige jedoch ausreichend Zeit- und qualifizierte Personalressourcen, ein gemeinsames Bildungs- und Werteverständnis sowie verlässliche strukturelle Rahmenbedingungen. Zudem müsse der Ganztag als Ausbildungsort anerkannt werden, um dem Fachkräftemangel wirksam zu begegnen.
Die Finanzierung bleibt ein Schlüsselfaktor des Erfolges. "Wer Qualität bestellt, muss sie auch bezahlen. Eine nachhaltige Umsetzung des Rechtsanspruchs erfordert eine auskömmliche Finanzierung und ausreichend qualifiziertes Personal - Die Kommunen brauchen hier dringende Unterstützung von Bund und Land, um ihrer Steuerungsverantwortung nachkommen zu können", macht Dietrich deutlich.
Am Ende der von Bianca Monzel, Abteilungsleitung "Soziale Sicherung und Teilhabe" des Caritasverbandes für die Diözese Trier, moderierten Veranstaltung zeichnete sich ein klares Bild, darüber, wie Ganztag zu einem Gewinn für alle werden kann. "Ganztag ist mehr als Betreuung. Er ist ein zentraler Lebensmittelpunkt von Kindern, die dort einen großen Teil ihrer Zeit in öffentlicher Verantwortung verbringen. Schule und Jugendhilfe sind gemeinsam gefordert, den Lebens- und Lernort Schule qualitativ so auszugestalten, dass alle Kinder gute Entwicklungs- und Bildungschancen erhalten.", schloss Dietrich.
Zum Projekt
Ermöglicht durch einen bewilligten Förderantrag der GlücksSpirale ist es dem Diözesan-Caritasverband Trier gelungen, für den Zeitraum vom 1. Januar 2025 bis 31. Dezember 2026 ein saarlandbezogenes Projekt zur Qualitätsentwicklung im Ganztag zu etablieren. Ziel ist es, die Leistungserbringer der "Caritas im Saarland" bei der operativen Umsetzung des GaFöG zu unterstützen, Qualitätsfragen zu bündeln und gemeinsame fachpolitische Positionen - in enger Abstimmung mit der LIGA Saar - zu entwickeln.
Hierfür wurde ein eigener Unterausschuss der Leistungserbringer unter dem Dach der Caritas-Landesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendhilfe im Saarland eingerichtet.
Ganztag als Chance für Chancengerechtigkeit
Inhaltlich stand die Förderung einer partizipativen Zusammenarbeit zwischen Schulleitungen und Fachkräften im Ganztag im Vordergrund. Der neu gefasste § 24 SGB VIII unterstreicht das Ziel eines ganzheitlichen Bildungsverständnisses am Lebens- und Lernort Schule. Auch die Kultusministerkonferenz betont in ihren Empfehlungen die Potenziale multiprofessioneller Kooperation in Ganztagsschulen.